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Dezembertipps #Vivian

Amanda Knox (Netflix, 2016)

Amanda Knox fand im November 2007 ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher ermordet in der gemeinsamen Wohnung auf, die sie sich während ihres Auslandssemesters teilten. Was folgte, war ein achtjähriger Prozess, der über die Schuld Knox‘ an diesem Mordfall entscheiden sollte. Beteiligt waren nicht nur die italienische Justiz, sondern in einem besonderen Maße die Medien, welche sich auf diesen Fall stürzten und ihn zu einer modernen Form der Hexenjagd machten.

Knox erlebte die mediale Ausschlachtung ihres Lebens – oder dessen, was Zeitschriften, Fernsehsender und freie Journalist*innen als ihr Leben und als ihre Persönlichkeit identifizierten. Die Dokumentation zeichnet nach, wer an dem Prozess der öffentlichen Meinungsbildung beteiligt war und welcher frauenfeindlicher Diskurse er sich bediente:

Wie muss eine traumatisierte Frau sich in der Öffentlichkeit verhalten? Wie viele Sexualpartner darf eine Frau haben, bevor sie verdächtig wird?

The Bell Jar (Sylvia Plath, 1963)

“That’s one of the reasons I never wanted to get married. The last thing I wanted was infinite security and to be the place an arrow shoots off from. I wanted change and excitement and to shoot off in all directions myself, like the colored arrows from a Fourth of July rocket.”

Sylvia Plaths einziger Roman wird oft genannt, wenn es um feministische Literatur des letzten Jahrhunderts geht. Das Buch erzählt die Geschichte von der jungen, schriftstellerisch talentierten Esther. Der Roman beginnt mit ihrer Hospitation bei einem New Yorker Modemagazin und endet in einer psychiatrischen Klinik. Doch Esthers Depression steht nicht nur im Zusammenhang mit der eigenen Psyche, sondern auch mit ihren Lebensaussichten in der amerikanischen Gesellschaft der 1950er Jahre, die sie als einengend empfindet. Ehe und Kinder, dieses unausweichliche Lebensziel scheint ihr trotz aller möglichen Berufsziele und Lebenswege letztendlich vorbestimmt.

Das überraschende an diesem Roman war für mich nicht nur der konstante biographische und ironische Bezug zu Sylvia Plath selbst, die leider auch wegen ihres Suizids und nicht nur ihrer Lyrik bekannt ist. Ich erkannte in den Gedanken der Protagonistin auch meine Gedanken, und die vieler Menschen in meinem Alter wieder. Lest selbst, und findet heraus, warum das Buch, trotz aller Schwere und alles Wissens über die Autorin, lebensbejahend ist.

Harper Perennial Modern Classics, ISBN: 978-0061148514

Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand. (Harald Welzer, 2013)

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Es gibt viele Bücher, die, wie Harald Welzers, unsere Konsumgesellschaft, unsere Klimapolitik und die Auswüchse des Kapitalismus anprangern. Dennoch möchte ich euch dieses Buch empfehlen, weil es, anders als andere Werke und manche Menschen, sich nicht nur empört, sondern zum Handeln aufruft – und dieses Handeln spezifiziert sowie an einigen realen Beispielen festmacht.

Natürlich findet sich in diesem Buch auch die neoliberale Rhetorik der Selbstverantwortung wieder. Aber es zeigt auch Handlungsspielräume auf, beispielsweise bei scheinbar banalen Alltagssituationen (Warum teilt sich eine Nachbarschaft nicht einfach eine Bohrmaschine? Warum gründen wir keine immateriellen Tauschbörsen?). Die Verantwortung für Nachhaltigkeit wird des Weiteren im hohen Maße Unternehmen zugeschrieben, was auch an positiven Gegenbeispielen verdeutlicht wird. Auf diese Weise wird ein nachhaltiges Leben und der Gedanke an einen Abschied von der Wachstumsgesellschaft greifbar. Ich persönlich nehme das Buch am liebsten dann als Beispiel, wenn mir ein Idealismus vorgeworfen wird, der niiiiemals realisierbar sei.

S. Fischer Verlag, ISBN: 978-3-596-19573-2

Published inAllgemeinDezembertippsFeministische Buch- und Filmempfehlungen

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