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Dezembertipps #Franzi

The long way to a small angry planet

Obwohl ich Science-Fiction Filme schon immer geliebt habe, traute ich mich lange Zeit nicht an Bücher aus diesem Genre heran. Irgendwie kam mir Science-Fiction Literatur immer ziemlich männlich vor, sodass es mir schwerfiel einen Zugang dazu zu finden. In den vergangenen zwei Jahren habe ich allerdings versucht meine Scheu vor Scifi-Büchern zu überwinden und habe das Genre sehr schnell liebgewonnen. Vor allem habe ich dabei nach Büchern gesucht, die von Frauen* geschrieben wurden und sich auch mit queeren Themen auseinandersetzen.

davSo bin ich auf Becky Chambers „The long way to a small and angry planet” gestoßen, ein Buch das mich, zugegebenermaßen, zunächst vor allem durch sein Cover und seinen Titel ansprach, aber viel mehr mit seinem Inhalt punktet. Es erzählt die Geschichte der Crew des Tunnelschiffs „Wayfarer“, welche sich für einen Auftrag auf einer monatelangen Reise zu einem bisher kaum bekannten Teil der Galaxie befindet. Neuzugang der Crew ist Rosemary Harper, durch deren Blick die Leser*innen in die Geschichte eingeführt werden und die eine Position als Verwalterin und Übersetzerin auf dem Schiff angenommen hat, um ihrer Vergangenheit zu entfliehen. Allerdings ist die Perspektive von Rosemary nicht der einzige point of view des Buches, denn im Verlauf der Geschichte erhalten die Leser*innen Einsicht in die Gedankenwelt jedes der acht Crewmitglieder.
Auf ihrer Reise macht die „Wayfarer“ an zahlreichen Planeten und Raumstationen halt, auf denen sich die unterschiedlichsten Wesen tummeln. Becky Chambers schafft es auf gut 400 Seiten eine weitläufige von zahlreichen und diversen Spezies bewohnte Galaxie vorzustellen, in denen Menschen und ihre Sicht der Dinge keineswegs im Mittelpunkt stehen. So muss Rosemary regelmäßig ihre eigene Position als Mensch und ihren Bias gegen nicht-menschliche Wesen reflektieren. Ebenfalls gelingt es Chambers, unterschiedliche Kulturen zu erschaffen, die ihre jeweils eigenen Ansichten von Moral, Philosophie, Geschlecht, Sexualität u.a. entwickelt haben. Herzstück des Buches sind jedoch die interpersonellen Beziehungen der Crewmitglieder, die alle mit unterschiedlichen Problemen, Traumata und Geheimnissen zu kämpfen haben. Hier macht Chambers sich für das Konzept der „found family“ stark, also der Familie, die nicht zwangsläufig durch biologische, sondern durch emotionale Bündnisse zusammenhält und füreinander sorgt.
Das Buch enthält viel Wortwitz und schnelle, lebendige Dialoge, lässt jedoch auch Raum für ernste Themen und Emotionen. Es ist das erste Buch einer Reihe (ein zweites ist bereits erschienen), lässt sich jedoch auch gut als alleinstehendes Werk lesen. Es ist übrigens auch auf Deutsch unter dem Titel „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ erschienen.

 

Englisch:
The long way to a small angry planet
Hodder & Stoughton
ISBN: 9781473619814

Deutsch:
Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten
Fischer TOR
ISBN: 978-3596035687

Published inAllgemeinDezembertippsFeministische Buch- und Filmempfehlungen

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